Teil 2: Erfahrungen mit dem Hikmicro HE25LN
In meinem letzten Blog-Beitrag habe ich Dir die Habrok-Serie von Hikmicro vorgestellt. Prinzipiell habe ich die technischen Daten und Möglichkeiten der Geräte runtergebetet. Doch wie schlägt sich das Gerät im Einsatz? Muss man ein Gerät von Hikmicro verwenden? Muss es ein Multispektrales-Binokular sein oder gibt es auch noch gute Alternativen, die einen ähnlichen Dienst verrichten? Genau diese Themen möchte ich gerne auch einmal mit Dir angehen.
Nur, weil ich das Habrok 4K HE25LN bei Hikmicro gewonnen habe, heißt es nicht, dass ich ein Fanboy der Marke bin. Es gibt weitere sehr gute Marktbegleiter zu Hikmicro, die ich jedoch noch nicht an dieser Stelle ansprechen möchte.
Zugegeben, in 2024 habe ich mir ein TOPDON TS004 Wärmebildmonokular zugelegt. Einfach weil ich wissen wollte, wie gut diese Technologie wirklich funktioniert. Doch das TOPDON hat auch einen 256x192 Pixel Wärmebild-Sensor, wie das Hikmicro HE25LN. Doch die Brennweiten der beiden Geräte differieren immens. Das TOPDON weißt eine Brennweite von 14mm auf und hat damit einen deutlich größeren FOV, wie das Habrok 4K.
Also, was kann das Habrok und braucht man es wirklich? Lass uns mal zusammen schauen…
Voll im Einsatz mit dem Hikmicro Habrok 4K HE25LN
Einsatz des Habrok 4K
Seit ich das Habrok 4K das erste Mal in den Händen gehalten habe, ist es ein stetiger Begleiter. Warum? Weil ich es auf Herz und Nieren testen möchte und für mich entscheiden will, ob es mich weiterhin begleiten wird.
Eins vorweg: Ich habe den direkten Vergleich zwischen einem Monokular und einem Binokular ziehen können, ich persönlich werde nie wieder zu einem Monokular wechseln. Die Nutzung eines Binokular ist deutlich entspannter für meinen Kopf und Augen. Wie das bei Dir ist, kann ich nicht sagen. Daher kann ich Dir nur den Tipp geben einmal diese Geräte auszuprobieren.
Jetzt habe ich einen wichtigen Teil des Erfahrungsberichts vorweggenommen, doch ich finde gerade diesen Punkt extrem wichtig. Bei der Nutzung meines Monokular hatte ich persönlich immer das Problem, dass ich nur mit dem linken Auge durch den Sucher schauen konnte, als Rechtshänder ist das immer etwas kompliziert. Zusätzlich kneift man das rechte Auge zu, um mit dem linken Auge alle Aktivitäten im Sucher des Monokular wahrnehmen zu können. Nach einer Zeit hatte ich immer Kopfschmerzen, ob das jedoch mit dem Zukneifen des Auges zu tun hatte konnte ich für mich nicht herausfinden. Jeder reagiert anders auf solche Trigger. Doch habe ich mit dem Einsatz des Habrok 4K für mich festgestellt, dass ich entspannter bin und keine Kopfschmerzen mehr bekomme.
Doch dafür begleiten mich bei der Bedienung des Habrok 4K, Themen die optimiert werden können. Das Habrok wird mittels 6 Tasten auf der Oberfläche bedient. Die Gummierung der Tasten lässt sich sehr leicht betätigen, doch aufgrund der Drucktiefe, kann jeder Druck zu einem Ruckeln am Habrok führen. Ich empfinde dies als gewöhnungsbedürftig. Es funktioniert, doch wäre es von Vorteil, wenn der Druckpunkt der Taster anders gestaltet wäre. Mit etwas Übung wirst Du es schnell raushaben, welche Taste, welche Funktionen zur Verfügung stellt. Du solltest Dir dafür die Bedienungsanleitung einmal genau durchlesen. Solange Du jeweils 3 Finger rechts und links auf den Tasten des Habrok dauerhaft aufliegen lässt, kannst Du bei der Bedienung nicht viel falsch machen. Leider musste ich dies aber selbst erst erfahren. Der vorderste Taster auf der linken Seite ist der Power-Button, mit dem Du Dein Habrok 4K Ein- und Ausschalten kannst. Leider habe ich es am Anfang immer wieder geschafft, dass Gerät während einer Beobachtung auszuschalten. Eigentlich wollte ich Fotos oder Videos machen. Dieser Taster liegt halt genau neben dem Aufnahmeknopf. Das ist kein Problem des Gerätes oder Konzepts, doch Du musst Dich mit dem Thema beschäftigen. Also üben, üben, üben…
Die Okulare des Habrok lassen sich wie bei einem Fernglas in der Distanz anpassen. Doch die Position lässt sich nicht fixieren. Es wäre von Vorteil, wenn man die Okulare fixieren könnte. Es ist mir schon mehrfach passiert, dass ich das Habrok aus meiner Brusttasche gezogen habe und die Okulare erst wieder in die richtige Position bringen musste. Das ist doof und kostet Zeit. Doch wenn ich schon bei den Okularen bin… Auf beiden Seiten kannst Du Dir Deinen eigenen Dioptrienausgleich einstellen. Das funktioniert fantastisch einfach. Du drehst die Ringe um das Okular so lange, bis die Zahlen und Schrift auf dem Display klar und scharf zu erkennen ist. Es ist in wenigen Sekunden geschehen. Doch der Einstellring für die Dioptrieneinstellung ist an meinem Habrok 4K recht leichtgängig. Es besteht leider immer wieder die Gefahr, dass sich diese Einstellung extrem schnell verstellt. Da die Einstellung schnell wieder hergestellt ist, sehe ich diesen Punkt als nicht ganz so dramatisch an.
Die beiden Kanäle die das Habrok interessant machen (digitaler Kanal und Wärmebildkanal) liegen in den beiden Fernglas typischen rechten und linken Objektiven. Der Wärmebildkanal liegt rechter Hand, wenn Du das Gerät vor Deinen Augen hältst. Dieser Kanal hat eine rote Markierung am Fokusring. Der schwarze Fokusring auf der linken Seite gehört zum digitalen Kanal. Damit habe ich Dir indirekt schon offengelegt, dass Du den Fokus für beide Kanäle einzeln fokussieren kannst oder musst. Es hat einerseits Vorteile, doch auch Nachteile. Hast Du einen Kanal scharf gestellt und bist voll in der Beobachtung gefangen, kann es vorkommen, dass Du in den anderen Kanal wechselst und dieser vollkommen defokussiert ist. Also, drehst Du mal links und mal rechts an den Fokusringen hin und her… Doch ich rate Dir davon ab, Freihand das filmen zu starten und dann eine Fokusverlagerung anzustreben. Das wird leider mit starken Verwacklern gestraft. Ist der Fokus jedoch scharf gestellt, macht es echt Spaß mit den Geräten Aufnahmen zu erstellen und diese für weitere Analysen nutzen zu können.
EIS
Die Habrok 4K- oder PRO-Serie bietet im digitalen Kanal eine digitale Bildstabilisierung - EIS - (electronic image stabilisation). Doch diese Stabilisierung greift mit der aktuellen Firmware (V5.5.128) erst bei 22x Vergrößerung. Wenn Du mit der 5,5x, oder 11x Vergrößerung arbeitest, und keine besonders ruhige Hand hast, wackelt das Bild doch recht gut. Für mich wäre EIS auch für die 5,5x und 11x Vergrößerungsstufe wünschenswert.
Ich habe mitbekommen, dass an der Firmware gearbeitet werden soll, doch wann eine neue zur Verfügung steht, kann aktuell keiner sagen.
Mein persönlicher Eindruck
Ich konnte das Habrok 4K - HE25LN - nun in den letzten Tagen sehr gut mit meinem vorhandenen TOPDON TS004 vergleichen. Das Habrok 4K - HE25LN ist ein Gerät, welches von Hikmicro für die Nutzung im Tageslicht und der Dämmerung ausgelegt wurde. Der Wärmebildkanal dient zum kurzen Abglasen und Detektieren von Wärmequellen. Dieser wurde nicht dafür angedacht die Tiere anzusprechen. Das Ansprechen der Tiere sollst Du mit dem digitalen Kanal durchführen. Die Geräte mit einem 640er Wärmebildkanal (und höher), sind laut Hersteller auch für den Nachteinsatz geeignet.
Für mich als Wildlife-Fotografen muss ich sagen reicht ein 256er Wärmebildkanal auch in der Dunkelheit. Natürlich kommt bei jedem ein “haben wollen” Gefühl auf, um die höchste Qualität aus den Geräten zu holen, doch prinzipiell bist Du mit dem HE25LN gut gerüstet. Letztlich geht es darum Wärmequellen zu detektieren und diese zu beobachten. Da ich als Fotograf hauptsächlich am Tage/ bzw. der Dämmerung unterwegs bin, sind die Einsatzmöglichkeiten für mich vollkommen ausreichend.
Eine Sache gefällt mir persönlich wirklich gut an einem Binokular (ich betone hier bewußt nicht, dass es von Hikmicro sein muss), dass Arbeiten mit beiden Augen macht nicht müde oder verursacht Kopfschmerzen. Ich fühle mich jedes mal wohl, wenn ich mit dem Gerät in der Natur war. Das Gerät bietet zusätzlich einen größeren Umfang an Farbpaletten, die Du Dir selbst konfigurieren kannst. Ich persönlich habe die Paletten white-hot und black-hot komplett abgeschaltet. In meinen Einstellungen sind lange nur red-hot und green-hot freigegeben gewesen. Doch mittlerweile kann ich behaupten, dass für mich im Wärmebildkanal ausschließlich red-hot und der digitale Kanal zum Abglasen in Frage kommen. Das red-hot ist total genial, wenn Du im dunklen herumläufst. In Vergangenheit hatte ich nur white-hot oder black-hot zur Verfügung. Nach dem Absetzen des TOPDON TS004 war mein Auge immer verblitzt. Daher musste sich danach mein Auge immer erst einmal an die dunkle Umgebung gewöhnen. Doch seit ich red-hot einsetzen kann, ist diese Anpassungsphase so kurz, dass es überhaupt kein Problem mehr für mich darstellt. Ich laufe in tiefer Dunkelheit herum und glase die Umgebung um mich herum ab und laufe wiederum durch die Gegend.
Mich begeistert die Akkulaufzeit. Ich war vor einigen Tagen bei 1°C ca. 4,5 Std. in der Natur unterwegs. Dabei habe ich sowohl den Wärmebildkanal, so wie auch den digitalen Kanal in Verbindung mit dem IR-Strahler eingesetzt. Der Akkustatus lag nach dem Einsatz bei 50%. Ich habe die Akkus bewusst nach dem Einsatz in das Ladegerät gelegt um herauszufinden, welche Kapazität nachgeladen werden muss. Auch dies hat mir eine Nachladung von ca. 54% aufgezeigt. Also kann ich mit den neuen Akkus behaupten, dass die Kapazität der Akkus gut hält und zuverlässig angezeigt wird. Das Toleranzen bei der Kapazizätsdarstellung auftreten ist nicht unnormal.
Wettbewerb
Der Markt hat sich hinsichtlich der Auflösung und der Sensortypen in den letzten Jahren rasant verändert. In Vergangenheit waren VOx-Sensoren mit einer Auflösung von 256x192 Pixeln das Maß aller Dinge. Mittlerweile gibt es verschiedene Technologien wie VOx- und ASI-Sensoren, bei denen die Auflösung der Mikrobolometer mit 1280x1024 (mehr als HD-Auflösung) als vertriebsfertiger Chip zur Verfügung steht. Doch es sind höhere Auflösungen in der Entwicklung. Meiner Meinung nach wäre es dennoch sehr hilfreich, wenn die Sensorik der Wärmebildtechnik, eine Technik-Revolution wie die bekannten CMOS-Sensoren für unsere Kamera-Systeme hinlegt und die Preise der Technik in Zukunft deutlich fallen. Die Summe der verkauften Sensoren und Germanium-Linsen wird in Zukunft steigen, wenn die Preise fallen. Die größere Anzahl verkaufter Geräte sollte wiederum den Anstoß für weitere Preissenkungen geben.
Einen Anstoß für den beschriebenen Preissturz hat die Firma PIXFRA aktuell mit der DRACO-Serie vorgelegt. Die DRACO-Serie steht vollkommen im Wettbewerb zur Hikmicro Habrok-Serie. Es gibt weitere Binokulare die wir am Markt erhalten können, doch diese Geräte weisen oft keinen digitalen Kanal auf. Sie haben ausschließlich den Wärmebildkanal und einen Laserentfernungsmesser. Für den einen oder anderen wird das vollkommen ausreichen. Doch falls Du wirklich ein Gerät haben möchtest, welches ein Fernglas zu 100% ersetzt, damit Du nicht drei Geräte mitschleppen musst, dann sollte ein digitaler Kanal (CMOS-Bildsensor, mit mindestens 4K Auflösung) vorhanden sein. Zu den genannten Geräten ohne den digitalen Kanal gehören z.B. die Pulsar Merger-Serie (die sehr interessant ist) und die Nocpix Quest-Serie (auch eine sehr interessante Produktreihe).
Verbesserungswünsche
Für mich steht außer Frage, dass sich zukünftig der Standard für die niedrigste Auflösung verschieben muss. Aktuell liegt dieser bei 256x192 Pixeln, wünschenswert wäre es einen Standard von 640x512 Pixeln, doch zu einem Preisgefüge, wie aktuell Geräte mit 256x192 Pixeln liegen. Das ist ein Wunsch oder Traum. Jeder der noch die C64-Historie erlebt hat, weiß, wie schnell ein solcher Technologiewandel vor sich geht. Ich spreche von den nächsten 5-10 Jahren.
Ein Traum wäre es, wenn einer der Hersteller ein Gerät herausbringen würde, welches einen optischen Zoom besitzt. Eine mechanische Veränderung der Brennweite von z.B. 35mm auf 70mm. Wobei 35mm ein FOV von 44m Breite aufweisen sollte und 70mm ein FOV von 22m besitzt. Dieser Wunsch wäre für beide Kanäle gleichermaßen wichtig. Es wäre ein Traum, mit dem der Weg für ein digitales Fernglas in jedem Belang geebnet wäre. Das Fernglas wäre gleichermaßen für die Feld- und Waldjagd gedacht. Auch wir als Fotografen hätten ein Spitzengerät zur Verfügung, welches uns in jedem Terrain begleiten würde. Wir könnten sowohl im Wald mit 35mm einfacher abglasen und mit 70mm ohne Qualitätsverluste im Bild ansprechen. Vor allem wenn dieser optische Zoom mit einem 640er und einem 1280er Sensor zur Verfügung stünde, könnte auch der kleinere Geldbeutel von diesem Bonus profitieren.
Für die Menüführung wäre ein Control-Wheel wie bei dem PIXFRA Draco sehr hilfreich. In der Kamera-Branche gibt es auch sehr interessante Control-Wheel Lösungen, die als Alternative zum Einsatz kommen könnten. Zusätzlich würde ich das Bedienkonzept mit den Tasten ändern. Die Druckpunkte und die Abstände der Tasten müssten so optimiert werden, dass bei einem Druck kein Verwackeln erfolgt. Ich würde es generell favorisieren, wenn die Taste rund um das Okular so angeordnet werden, dass nur noch Zeigefinger und Daumen benötigt werden. Dadurch liegt das Gerät deutlich stabiler in den eigenen Händen.
Der Durchmesser der Frontlinse sollte nicht kleiner als 35mm sein. Dies gewährleistet eine besser Detektionsleistung der Geräte. Durch den größeren Durchmesser, besteht die Möglichkeit deutlich besser/ einfacher die Wärmesignaturen aufzunehmen. Gerade für den Wärmebildkanal wäre eine Blende von f = 0.9 von Vorteil (diese sollte nicht Größer als f = 1.1 liegen).
Feedback
Ich denke, ich habe hier in dem Beitrag eine gute, neutrale und ehrliche Meinung zu den Geräten von Hikmicro dargestellt. Die Geräte der Wettbewerber kenne ich leider nicht. Es wäre ein Wunsch von meiner Seite diese Geräte auch einmal testen zu können, um Euch diese ebenfalls einmal vorzustellen. Um in diese Möglichkeit zu erhalten, werde ich Eure Hilfe brauchen. Es wäre nett, wenn Ihr mich in Zukunft mit Likes, Kommentaren und konstruktivem Feedback begleitet. Gerne auch als Kommentar unter meinem Blog oder bei Instagram. Nur so kann ich Euch in Zukunft weitere Beiträge in dieser Art zur Verfügung stellen.
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