Die Evolution der Nikon-Superteleobjektive im Z-System – vom F-Mount bis zur aktuellen Generation
Für Wildlife-, Sport- und Actionfotografen gehören lange Brennweiten zu den wichtigsten Werkzeugen überhaupt. Mit dem Z-System hat Nikon nicht einfach nur bestehende F-Mount-Konstruktionen adaptiert, sondern die optischen und mechanischen Konzepte vieler Superteleobjektive grundlegend neu entwickelt.
Besonders interessant sind dabei vier aktuelle Objektive:
NIKKOR Z 400mm f/2.8 TC VR S
NIKKOR Z 600mm f/4 TC VR S
NIKKOR Z 400mm f/4.5 VR S
NIKKOR Z 600mm f/6.3 VR S
Als Vergleich dienen außerdem:
SIGMA 500mm F4 DG OS HSM Sports
Nikons frühere F-Mount-Superteleobjektive wie das 400mm f/2.8 FL, 500mm f/4 FL oder 600mm f/4 FL.
1. Der größte Technologiesprung: Das Z-Bajonett
Bevor wir die einzelnen Objektive betrachten, lohnt sich ein Blick auf das Z-Bajonett.
Das Z-Bajonett besitzt:
55 mm Innendurchmesser (größer als F-Mount)
deutlich kürzeres Auflagemaß
schnellere elektronische Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv
Für Fotografen bedeutet das:
✅ weniger optische Kompromisse
✅ bessere Korrektur von Abbildungsfehlern
✅ schnellere Fokusberechnungen
✅ höhere AF-Präzision insbesondere bei Augen- und Tiererkennung
Gerade die Nikon Z9 kann dadurch das volle Potenzial dieser Objektive ausschöpfen.
2. Die Entwicklung der Fokusmotoren
Früher: Ultraschallmotoren (SWM und HSM)
Bei F-Mount-Objektiven kamen hauptsächlich Ring-Ultraschallmotoren zum Einsatz.
Beispiele:
Nikon SWM (Silent Wave Motor)
Sigma HSM (Hyper Sonic Motor)
Vorteile:
schnell
leise
präzise
Nachteile:
höhere bewegte Massen
geringere Beschleunigung
Fokuswechsel nicht ganz so abrupt
Für DSLR-Systeme waren diese Motoren nahezu perfekt.
Heute: STM-Schrittmotoren
Die modernen Z-Superteleobjektive setzen dagegen auf leistungsfähige Schrittmotoren (STM).
Diese Motoren arbeiten:
präziser
mit kleineren Korrekturschritten
deutlich besser mit Motivverfolgung zusammen
Gerade bei der Tiererkennung der Z9 wird permanent nachgeführt.
Hier spielt STM seine Stärke aus.
Man kann sich das vereinfacht vorstellen:
HSM/SWM = leistungsstarker Diesel-LKW
STM = hochdrehender Elektromotor
Beide sind schnell, aber der Elektromotor reagiert unmittelbarer.
3. Das SIGMA 500mm f/4 DG OS HSM Sports
Das “SIGMA 500mm F4 DG OS HSM Sports” gilt bis heute als eines der besten Fremdhersteller-Superteleobjektive. Mittlerweile ist dieses Objektiv seit einigen Jahren am Markt. SIGMA hat dieses 500m Objektiv mit einem Paukenschlag durch das “SPORTS 300-600mm f/4 DG OS” ersetzt.
Nikon unterbindet zum aktuellen Stand, die Fremdentwicklung von Objektiven am Z-Bajonett. Daher wurde der Nachfolger ausschließlich für die L-Mount Alliance und das Sony E-Mount entwickelt.
Doch ich möchte hier speziell auf den Einsatz des (alten) 500mm f/4 DG OS HSM Sports an der Z9 eingehen. Mit dieser Kombination konnte ich viele Fotos und Erfahrungen sammeln.
Besonderheiten
500 mm Brennweite
Lichtstärke f/4
HSM-Ultraschallmotor
optischer Bildstabilisator
sehr robuste Sports-Serie
Stärken
hervorragende Schärfe
sehr gutes Bokeh
hohe AF-Geschwindigkeit
Für langsam bewegende, oder statische Objekte ist der Einsatz des SIGMA 500mm überhaupt kein Problem. Ich habe viele schöne Fotos mit diesem Objektiv machen können. Mit etwas Übung kannst Du auch Schwalben im Flug fotografieren, doch der Ausschuss bei solchen Aufnahmen wird deutlich steigen. Es gibt Tage an denen ich max. 40% Ausschuss mit dem Objektiv generiere, doch es gibt auch andere Tage…
Schwächen gegenüber Z-Superteleobjektiven
schwerer Fokusaufbau (der Fokus wird oft verloren oder pumpt immer wieder)
weniger direkte Kommunikation mit der Kamera
nicht für moderne KI-Motivverfolgung entwickelt
An einer Z9 mit FTZ funktioniert es hervorragend, erreicht aber nie die Reaktionsgeschwindigkeit der nativen Z-Superteleobjektive.
Der Einsatz des SIGMA 500mm f/4 DG OS HSM Sports lohnt sich in Verbindung mit der Z9. Doch zeigt die Kombination auch Schwächen. Die Fokusgeschwindigkeit ist deutlich geringer zu den nativen Z-Objektiven. Dies ist dem technologischen Stand zum Zeitpunkt der Entwicklung geschuldet. Das Objektiv verwendet eine komplett andere Fokustechnologie. Die Massenträgheit der bewegten Linsen in Kombination mit dem verwendeten Motor sorgt für einen behäbigeren Wechsel der Fokusrichtung und/oder des Anlaufs und Bremsverhaltens. Der Fokusmotor ist leider auch nicht komplett lautlos.
Der Ausschuss des Objektivs kann bei schnellen Objekten auch gern mal bei 80% bis 90% liegen. Der Fokusmotor kommt bei diesen Objekten nicht mehr mit. Oft muss dann manuell eingegriffen und das Objekt der Begierde noch einmal in den Fokus genommen werden.
4. NIKKOR Z 400mm f/2.8 TC VR S
Das NIKKOR Z 400mm f/2.8 TC VR S stellt zum aktuellen Zeitpunkt die technologische Speerspitze von Nikon dar.
Ich hatte bisher nur auf einer Messe die Chance diese fantastischen Brennweiten auszuprobieren. Leider noch nicht im Einsatz in der Natur. Die neuen Nikkor Brennweiten für das Z-Bajonett weisen deutliche Unterschiede zu den F-Bajonett Brennweiten auf. Schauen wir uns erst einmal die technischen Daten an:
Integrierter Telekonverter
Der integrierte Telekonverter (TC) ist ein Alleinstellungsmerkmal von Nikon bei den Brennweiten von 400mm und 600mm. Diese Funktion ist einfach genial. Aktuell muss ich meinen TC immer direkt zwischen Kamera und Objektiv setzen oder muss die Kamera lösen und den TC Zwischenbauen, wenn es die Notwendigkeit ergeben sollte. Doch der Umbau ist niemals so schnell, wie als wenn man einen Schalter umlegt und der 1,4x Konverter ist sofort bereit.
Per Hebel wird sofort von
400 mm f/2.8
auf
560 mm f/4
umgeschaltet.
Ohne Objektivwechsel!
Ohne Staubrisiko!
Ohne Zeitverlust!
Fokusantrieb
Nikon verwendet in dem Z 400mm f/2.8 TC VR S und dem Z 600mm f/4 TC VR S ein sogenanntes "Silky Swift Voice Coil Motor"-System. Das ist kein klassischer STM. Der Fokus wird elektromagnetisch bewegt. Dieser Antrieb kann mit einem linearen Antrieb verglichen werden. Die Linsengruppen werden in gleichförmigen Bewegungen hin- und herbewegt.
Vorteile:
extrem schnelle Beschleunigung
praktisch geräuschlos
höchste AF-Präzision
Das ist derzeit eine der modernsten Fokusantriebstechnologien überhaupt.
Für wen?
Für welche Fotografen kommt das Nikkor Z 400mm f/2.8 TC VR S in Frage?
professionelle Wildlife-Fotografen
Olympia- und Sportfotografen
Agenturfotografen
5. NIKKOR Z 600mm f/4 TC VR S
Das NIKKOR Z 600mm f/4 TC VR S ist technologisch fast identisch zum 400 mm f/2.8 TC S. Auch das 600mm weißt einen Schalter für den 1,4x Telekonverter auf. Somit kann der Nutzer dieser Spitzen-Brennweite sehr schnell reagieren. Die Vorteile dieses Erlebnisses kann man nicht beschreiben, man muss es in der Praxis selbst ausprobieren.
Telekonverter
Per Hebel kannst zwischen:
600 mm f/4
840 mm f/5.6
wählen.
Fokusmotor
Auch im Nikkor Z 600mm f/4 TC VR S kommt ein “Silky Swift VCM” zum Einsatz. Dieser Antrieb bietet riesen große Vorteile gegenüber der alten “Silent Wave Motor” Technologie.
extrem schnelle Fokusbewegungen
höchste Tracking-Performance
Für Vögel im Flug gehört dieses Objektiv aktuell zum Besten, was Nikon je gebaut hat.
6. NIKKOR Z 400mm f/4.5 VR S
Das NIKKOR Z 400mm f/4.5 VR S Objektiv hat viele Wildlife-Fotografen überrascht.
Warum?
Weil es unglaublich leicht ist.
Doch das sind nicht die einzigen Vorteile. Dieses Objektiv ist ein Knaller in Sachen Preis/ Leistung. Viele Neueinsteiger im Bereich der Wildlife-Fotografie haben dieses Objektiv als passenden Einstieg in dieses Genre für sich entdeckt. Auch wenn das Nikkor Z 400 f/4.5 VR S keinen Schalter für einen TC aufweist, bietet dieses Objektiv mit der Brennweite und der Offenblende im Vergleich zu einem “alten” SIGMA 500mm eine bessere Performance. Viele verwenden dieses Objektiv in Kombination mit der Nikon Z8. Es ist eine deutlich leichtere Kombination, als wenn man es an einer Z9 verwendet.
Gewicht
Nur rund 1,25 kg.
Zum Vergleich:
Sigma 500 f/4: ca. 3,3 kg
Z 400 f/2.8 TC: knapp 3 kg
Fokusantrieb
STM-Schrittmotor - Sehr schnell. Sehr präzise.
Perfekt für:
Flugaufnahmen
Tierfotografie
Wanderungen
Die Lichtstärke
Der Unterschied zwischen
f/4
f/4.5
beträgt lediglich etwa 1/3 Blendenstufe.
In der Praxis kaum sichtbar. Der Gewichtsvorteil dagegen ist enorm.
7. NIKKOR Z 600mm f/6.3 VR S
Das NIKKOR Z 600mm f/6.3 VR S ist vermutlich die revolutionärste Konstruktion der vier Kandidaten. Dieses Objektiv verwendet eine spezielle Linsenkonstruktion.
Phase-Fresnel-Technologie (PF)
Hier kommt eine spezielle Fresnel-Linse zum Einsatz. Dadurch konnte Nikon das Objektiv drastisch verkürzen. Ein klassisches 600-mm-Objektiv benötigt normalerweise einen sehr langen optischen Aufbau. Die PF-Linse „faltet“ gewissermaßen den Lichtweg. Die PF Technologie ist ein Alleinstellungsmerkmal von Nikon. In Vergangenheit hat Nikon mit dem 500mm f/5.6 PF (F-Mount) viele Anhänger dieses Objektivs gewinnen können. Daher hat man mit dem 600mm in PF Technologie versucht dieses Historie wieder aufzuholen.
Ergebnis
nur etwa 1,4 kg Gewicht
deutlich kompakter
einfacher transportierbar
Viele Fotografen nehmen es inzwischen lieber mit als ein 500 f/4 oder 600 f/4. Nicht weil es optisch besser wäre. Sondern weil es überhaupt dabei ist.
Fokusantrieb
STM-Schrittmotor - In Kombination mit der Z9 extrem leistungsfähig.
8. Vergleich der Offenblenden
Was bedeutet das praktisch?
f/2.8
maximale Freistellung
beste Low-Light-Leistung
schnellste AF-Unterstützung
f/4
professioneller Standard
hervorragender Kompromiss
f/4.5
fast identische Bildwirkung
deutlich leichter
f/6.3
etwas höhere ISO-Werte nötig
mehr Schärfentiefe
viel geringeres Gewicht
9. Was merkt man in der Praxis?
Mit der Kombination aus Z9 + FTZ II + Sigma 500mm f/4 Sports, wie ich sie verwende, arbeitest du bereits auf einem sehr hohen Niveau. Doch ein Umstieg auf ein modernes Z-Supertele bringt Dir hauptsächlich:
Verbesserungen beim Autofokus
schnellere Richtungswechsel
besseres Tracking
zuverlässigere Vogelerkennung
Verbesserungen beim Gewicht
Besonders deutlich sind die folgenden Unterschiede:
Verbesserungen bei der Verwendung von Telekonvertern
Die TC-Varianten bieten sofortigen Brennweitenwechsel ohne Unterbrechung der Aufnahme. Diese Geschwindigkeitsvorteile kann Dir keiner nehmen.
Fazit
Die Entwicklung der Superteleobjektive lässt sich grob in drei Generationen einteilen:
1. DSLR-Generation
SWM- und HSM-Ultraschallmotoren
optisch hervorragend
schwer und groß
2. Übergangsphase
PF-Technologie bei F-Mount
erste deutliche Gewichtsreduktionen
3. Z-System-Generation
VCM- und STM-Antriebe
schnellere Kommunikation mit der Kamera
optimiert für KI-Motivverfolgung
deutlich geringeres Gewicht
integrierte Telekonverter bei den Profi-Modellen
Für Wildlife-Fotografen ist das bemerkenswerteste Objektiv wahrscheinlich das 600mm f/6.3 VR S: Es bietet die Reichweite eines klassischen 600-mm-Superteleobjektivs bei einem Gewicht, das früher eher einem 300-mm-Objektiv entsprach.
Doch das 400mm f/2.8 TC VR S und das 600mm f/4 TC VR S bleiben die Referenzklasse für maximale Leistung ohne Kompromisse, während das 400mm f/4.5 VR S derzeit eines der attraktivsten Preis-Leistungs-Verhältnisse im gesamten Nikon-Z-System bietet.

